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 Gunhild Simon: Studienrätin a.D. und Sprachexpertin des institut1
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Derer oder deren? Zum Verwechseln ähnlich - doch wie zu unterscheiden?

Von Gunhild
Simon

Im Dienste derer, deren Interesse an Spracherhellung verfolgt wird: Wie sind sie nun zu unterscheiden, derer und deren? Beide Wörter sind ja zum Verwechseln ähnlich. Welche Regeln gelten hier? Welche Beipiele lassen sich anführen?

In ihrem spezifischen syntaktischen Zusammenhang haben wir sie soeben gesehen, die beiden Wörter, deren richtigem Gebrauch wir nachspüren - jetzt wollen wir uns ihrem vernünftigen Einsatz widmen.
Der aufmerksame Leser kann dem Bisherigen bereits Entscheidendes entnehmen.
- Beide Pronomen markieren eine genitivgebundene Struktur.
- Beide sind unveränderlich. Das bewirkt die
Notwendigkeit einer Flektion im Fall eines zugehörigen Adjektivs im Dativ (deren richtigem..., ihrem richtigen...).
derer
hat kein Attribut und weist voraus auf eine zu
erwartende Information. Der Fachbegriff dafür lautet kataphorisch. Es
hat einen pluralischen Klang. Es ist ersetzbar durch
derjenigen / jener / ihrer.
deren
weist zurück auf eine vorausgegangene Information:
Es ist anaphorisch. Es hat eine relative oder possessive Funktion in
Verbindung mit einem Substantiv.
Als Relativpronomen oder Possessivpronomen ist
es obligatorisch. Es tritt ein im Genitiv Singular femininum und Genitiv
Plural. Das entsprechende Pronomen im Maskulinum und Neutrum lautet dessen.
Es ist ersetzbar durch ihre / ihren bzw.
welcher / welche (im Deklinationsmuster als Relativpronomen ist dies
der Genitiv).
Daraus ergibt sich: derer ist als
substantivisches Demonstrativpronomen zu verstehen, während
deren Possessiv- oder Relativpronomen adjektivischer Natur
ist, sobald es sich auf ein Attribut bezieht und ersetzbar ist durch Pronomen,
die der Adjektivdeklination unterliegen (ihre / ihren, welcher / welche). Die
Unterschiede zwischen beiden sind syntaktischer Natur. Im ersten Fall fällt das
Substantiv weg, im zweiten Fall dagegen folgt es mittelbar oder unmittelbar.
Grundsätzlich gilt also:
- substantivisch (die nähere Information folgt):
derer, die ...
- relativ (die bereits vermittelte Information
wird erläutert): eine Sache, deren ...
- possessiv (bezieht sich direkt auf das zugehörige
Substantiv): deren Besitz / Eigenschaft
derer
Die Summe derer, die ....
Gedenke derer, die ...
Derer entsinne ich mich nicht.
Die Gesellschaft derer suche ich nicht.
deren
possessiv:
Ich suche nicht deren
Gesellschaft.
Ich brauche deren Beistand nicht.
Dies ist Brigitte. Ich kenne deren Mutter
nicht.
relativ:
Ich kenne jede Einzelheit, deren du dich kaum
entsinnst.
(dagegen: Ich kenne jedes Detail, dessen ...)
Die Pflicht aller, deren Verantwortungsgefühl
richtungweisend ist, ... (gen. pl.)
Das Verdienst jeder Person, deren
Pflichtbewusstsein sie leitet, ... (gen. fem. sing.)
(dagegen: Das Verdienst jedes Menschen / Mitglieds, dessen Pflichtbewusstsein ihn / es leitet ... (gen. mask / neut. sing.)
Er bemächtigte sich jeder Angelegenheit, deren
er habhaft wurde. (gen. fem. sing.)
(dagegen: Sie nahm sich jedes Details an,
dessen sie gewahr wurde. (gen. neut. sing.)
Grenzfälle sind Aussagen, die je nach Zusammenhang
verschieden auslegbar sind. Dabei ist die Frage, ob man etwas zurückweisend oder
vorausweisend vermittelt, entscheidend:
Derer / deren gibt es viele / genug.
Derer gibt es genug, die sich entziehen.
Kennst du Wege dahin? Es sind deren viele.
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